E-Paper - 10. Mai 2019
Luzerner Rundschau
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Musikalisches Allroundpaket

Die Ursache, weshalb ich mich in dieser Kolumne ausgerechnet mit dem Thema «Tanzen und Musik» widmen möchte, liegt an zwei kürzlich stattgefundenen Ereignissen. Erstens: Am 29. April feierte die Menschheit den Internationalen Tag des Tanzens. Zweitens: An einem Fest traf ich einen alten Spezi, mit dem ich vor rund dreissig Jahren eine dunkle Phase durchlaufen habe, die sich von der Spätkindheit bis in die Frühjugend respektive bis zum ersten gutturalen Halblaut eines sich bahnbrechenden Stimmbruchs zog.

Die Rede ist von einem vierjährigen Intermezzo bei den Luzerner Sängerknaben. Damals - in einer etwas willenlosen Phase des Heranwachsens - war ich froh, wenn andere an der Strippe der eigenen Lebensplanung zogen und so war es von Haus aus klar, dass ich einen Teil meiner Freizeit in einem Chor verbringen sollte. Auch meine Klassenkameraden schienen von der Idee in höchstem Masse angetan, denn als die Chorleiterin bei der Talentsuche auch in unserem Schulhaus anklopfte und fragte, wer denn bei uns das «Goldkehlchen» sei, zeigten zirka zwanzig Zeigefinger auf mich.

Nicht wenige waren sichtlich erleichtert, dass ich auch beim Stimmleiter-Test keine Nerven zeigte und so kam, was kommen musste: In einen züchtigen Pulli und schwarzen Lackschühchen gekleidet, sang ich fortan in der Ersten Stimme um die Wette. Und das, obwohl ich zu Schulbeginn eher als musikalischer Tunichtgut, denn als Nachwuchs-Mozart aufgefallen bin. Angefangen hat es mit einer eher unglücklichen Platzierung in die Xylophon-Gruppe des Pfarreisaals meines Heimat-Quartiers. Zur heutigen Zeit hätte man mich wohl ohne Umschweife in die Schlagzeug-Klasse wechseln lassen. Auch der Umgang mit der Blockflöte war mir suspekt.

Immerhin hatte ich da gelernt, mein taktisches Kalkül auszufeilen, indem ich meist nur den Anfang und den Schluss eines Stücks auswendig lernte, was die gestrenge Blockflötenlehrerin meist zu besänftigen wusste. Bei der Frage nach meinem Tanztalent gehen die Meinungen diametral auseinander.

Ich fand meinen Stil immer umwerfend, bis ihn mir mal jemand wie folgt umschrieben hat: Einen simplen, aus dem Jugendtreff der späten Achtziger überlieferten und ungelenk vorgetragenen 2/2-Takt, der sich, aus der Hüfte kommend, über alle vier Extremitäten verteilt.

Ganz offenbar sehe ich aus wie ein besoffener Grizzlybär, der einen von Holzfällern erfundenen Kampftanz zelebriert, welcher den Platz einer zwanzigköpfigen Square-Dance-Kombo benötigt und zum Ziel hat, die über den Boden gleitenden Lichtkugeln mit seinen Stiefelabsätzen zu zerquetschen.

Stefan Kämpfen

Luzerner Rundschau vom Freitag, 10. Mai 2019, Seite 31 (10 Views)

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